Während der nationalsozialistischen Diktatur

1927 siedelte der Verlag wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach Leipzig über, 1936 (bis auf das Auslieferungslager) wieder zurück nach Berlin. Im Jahr 1943 wurden die Buchvorräte des Verlages in Leipzig durch Bombenangriffe zerstört. Franz Schneiders Frau Luise hatte zudem in den letzten Kriegsjahren größere Mengen Akten in die Altpapiersammlung der Schulen gegeben: Korrespondenzen, Durchschläge und vermutlich auch Archivbestände. Ihrem Sohn Franz-Joachim hatte dies Pluspunkte bei der schulischen Notengebung und öffentliche Belobigungen eingebracht. 1944 wurde das Berliner Verlagsgebäude durch Fliegerbomben zerstört. Ausweichdomizil wurde die Lutherstadt Wittenberg.

 

Die Stellung und Rolle des Verlags in dieser Zeit ist wenig erforscht. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 trat offenbar ein radikaler Schwenk in der Programmpolitik des Verlages ein. Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, warum ein liberaler Demokrat und seine Frau, die von ihrer Familie als „freiheitsliebende Dänin“, bezeichnet wurde, eine derartige Kehrtwendung machten: So erschien bereits 1933 das farbig illustrierte Kinderbuch Kinder, was wißt ihr vom Führer? Während der nationalsozialistischen Diktatur lässt sich im Verlagsprogramm einerseits eine Mischung aus politisch eher unverdächtigen Themen ausmachen: das „kleine Abenteuer vor der Haustür“, Abenteuer in fernen Ländern, Spiel und Sport für die Jungen; Freundinnen, Schule, Familie, Haushalt für die Mädchen. Andererseits finden sich auch einschlägig nationalsozialistisch geprägte Themen: Treue zur Heimat und Engagement für den NS-Staat, Pflege des germanisch-völkischen Gedankens, Wehrhaftigkeit und Feindlichkeit gegenüber slawischen Volksgruppen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde zusätzlich offene Kriegspropaganda betrieben.

 

Die Nachkriegsjahre

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