Petar Radenkovic – Bestes Torwart von Welt!

100 Jahre Schneiderbuch – Fundstück der Woche

Dortmund, Stadion Rote Erde, 21. Mai 1966, 17:44 Uhr, 89. Spielminute: Peter Grosser erzielt für seine Münchner Löwen das 2:0 gegen den direkten Konkurrenten Borussia Dortmund. Die Spieler des TSV 1860 München liegen sich in den Armen, die Strategie von Trainer Max Merkel ist aufgegangen, und die Löwen werden zum ersten und einzigen Mal in ihrer Vereinsgeschichte Deutscher Meister der damals noch jungen Fußball Bundesliga:

 

Neben Stürmer Grosser verdiente sich nur ein weiterer Spieler des TSV 1860 die Bestnote 1,0: Petar „Radi“ Radenkovic, der schon 1963 Spieler bei der Bundesliga-Premiere der Löwen im Kasten stand. Der gebürtige Serbe war einer der ersten ausländischen Legionäre in der deutschen Liga und bekannt für reichlich Showtalent und Wortwitz auf sowie neben dem Fußballfeld. Im Kampf gegen die Borussen aus Dortmund verzichtete Radi jedoch auf jegliche Eskapaden und sicherte mit einer Glanzleistung den Löwen die Meisterschale. Bei Radenkovic war Endstation, wenn der Ball auf das Tor zuflog.

 

Für die Dortmunder Borussia standen an diesem denkwürdigen Tag der deutschen Fußballgeschichte immerhin Legenden wie Nationaltorwart Hans Tilkowski, Rudolf „Rudi“ Assauer, Reinhard „Stan“ Libuda und Lothar „Emma“ Emmerich auf dem Rasen. Borussia Dortmund wurde in der Spielzeit 1965/1966 Vizemeister. Der FC Bayern München landete auf dem dritten Rang.

 

Die Sechzigerjahre: Der Jet Set der pulsierenden Isarmetropole tanzt zur Beatmusik. Singende Rasenkicker sind noch nicht so populär – Ausnahme: Münchner Lokalheld und Fußballidol wie -original Petar „Radi“ Radenkovic. Der gibt sich schon vor dem Meistertitel als Interpret mit Blaskapelle in Krachledernen eher folkloristisch: 1965 spielte er bei DECCA die Single „Bin i Radi, Bin i König“ ein, die immerhin 400.000 Mal verkauft wurde und auf Platz 5 der deutschen Hitparade kletterte. Fußballlegenden singen heute etwas anders, aber nicht besser.

 

Ein Fußballbuch für die Jugend mit Petar Radenkovic

 

Ein leiserer Star der Münchner Szene zu dieser Zeit war Verleger „Onkel Franz“ Franz Schneider jr., der mit immer neuen Strategien und frischen Ideen für leichten, zeitgemäßen Lesespaß Millionen junge Leserinnen und Leser für Bücher zu begeistern wusste und seinen Franz Schneider Verlag/Schneiderbuch zur unangefochtenen Meisterschaft in der Tabelle der Kinderbuchverlage führte.

 

Ball trifft Buch: Bin i Radi, Schreib i Buch auf Fußball

 

Franz Schneider jr. wusste längst, dass selbst Jungs, damals gern noch Lausbuben genannt, für das Bücherlesen zu gewinnen sind, wenn das Thema stimmt. Verleger traf also Fußballstar. Beim Abschluss wurde sicher nicht lange gefackelt: 1966 erschien also prompt wie aktuell ein kleines Buch beim Franz Schneider Verlag. Titel: Das Spielfeld ist mein Königreich – Radis Fußballkurs, Autor: Petar „Radi“ Radenkovic; 60 sportliche Seiten im Sprint zu nehmen, taschengeldgerechte DM 2,95, abwaschbar, wenige, aber schöne s/w-Bilder. Motto: Der Radi weiß und verrät wie’s gemacht wird – schnörkellos, praktisch, robust und manchmal überraschend modern.
Bis heute raten zahlreiche Experten verzweifelten Eltern leseunwilliger Jungs: „Wenn nichts mehr hilft, ist vielleicht ein Sportmagazin wie kicker die geeignete Lektüre.“

 

Der Titel des Schneider-Büchleins „Das Spielfeld ist mein Königreich“ war dem Radenkovic-Hit „Bin i Radi, bin i König“ entnommen (Schallplatte DECCA-Telefunken).

 

Petar Radenkovic: Radi, „bestes Torwart von Welt“, bleibt hart am Leder – auch als Schriftsteller: Jetzt schreibt er sein erstes Jugendbuch, das in diesen Tagen im FRANZ SCHNEIDER VERLAG; München, erscheint. Das Manuskript lieferte Radi auf Fußbällen ab, die bequem in die Druckerei gerollt wurden. © 1966, Foto-Archiv, Franz Schneider Verlag, München 13, Frankfurter Ring 150

Damaliges Pressefoto: Radi, „bestes Torwart von Welt“, bleibt hart am Leder – auch als Schriftsteller: Jetzt schreibt er sein erstes Jugendbuch, das in diesen Tagen im FRANZ SCHNEIDER VERLAG; München, erscheint. Das Manuskript lieferte Radi auf Fußbällen ab, die bequem in die Druckerei gerollt wurden. © 1966, Foto-Archiv, Franz Schneider Verlag, München 13, Frankfurter Ring 150

 m.danner

 

„Erstklassiger Torwart, leicht verrückt“ – Radis Lektionen

 

1. Der Mann im Löwen-Tor
2. Wie muss ein Torwart sein?
3. Hinauslaufen ist eine Spezialiät
4. Elfmeter ist Glückssache
5. Drei Stangen – ein Tor
6. Freistoß – direkt und indirekt
7. Schiedsrichter sind Torwartknechte
8. Linienrichter sind keine Knechte
9. Der Ball ist eine Kugel
10. Das ganz besondere Hautgefühl
11. Flutlicht täuscht
12. Abschläge am liebsten aus der Hand
13. Bei Einwürfen einfallslos
14. Kurze Eckbälle hasse ich
15. Im langen Eck bin ich verwundbar
16. Strafbank für Foul-Spieler
17. Abseits ist nicht mehr modern
18. Bin I Radi, bin I König
19. Trainer Max Merkel über seinen Torwart

 

 

Radis Fußballkurs: Das Spielfeld ist mein Königreich

 

„Bestes Torwart von Welt?“

 

„Ich nenne mich selbst einen Torwartkönig. Hoffentlich kann ich durch meine Leistungen zeigen, dass ich noch regiere in einem Reich, dass dem Wohlgefallen des Publikums untertan ist.“
Petar Radenkovic

 

„Den Radi mögen alle gern … Bei allem Enthusiasmus … soll niemand vergessen, dass auch Radis Leistungen von den Leistungen seiner Vorderleute abhängen, dass Fußball ein Mannschaftsspiel ist …“
Max Merkel

 

„Mitdenken,  mitspielen … Tore verhindern … und gleich den nächsten Angriff einleiten.“
Klappentext, Das Spielfeld ist mein Königreich

 

(Vor)Lesetipp für Eltern oder Großeltern

 

DER Klassiker der frühen 50er steht bestimmt auch noch in Eurem Buchregal: Elf Freunde müsst ihr sein von Autor Sammy Drechsel (Karl-Heinz Kamke), Sportreporter und Kabarettist (Regisseur und mit Dieter Hildebrandt Gründer der Münchner Lach-und Schießgesellschaft).

 

Die Erlebnisse von Heini Kamke (!) in diesem Fußballroman für die Jugend reichen zwar noch in die Zeit vor dem Weltkrieg von 1939 bis 1945 zurück; die recht entbehrungsreiche Schulzeit und das Leben in einer Krise mit Arbeitslosigkeit bleiben bis heute aktuell und (vor)lesenswert, wenn man sich gemeinsam die Zeit nehmen kann und weiß, auf die damaligen Umstände einzugehen.

 

Die Originalausgaben mit dem wunderbaren Titelbild gibt es immer noch beim ZVAB (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher):

 

Berlin-Wilmersdorf. Heini Kamke kriegt die Krise: Er will unbedingt Fußballmeister der Volksschulen werden, doch seine Mannschaft ist nichts als ein streitsüchtiger, chaotischer Haufen. Aber ist da wirklich nichts mehr zu machen Ob Heini und seine Jungs vielleicht doch noch eine Chance haben, erzählt der legendäre Sportreporter Sammy Drechsel so spannend wie ein EM-Endspiel. Ab 10 Jahren

 

Eine neue Ausgabe des Buches ist beim CARLSEN Verlag erschienen. Vielen Dank, liebe Kollegen und Sportfreunde!

 

Viel Freude beim Stöbern!

 

Das Schneiderbuch-Team, Abteilung Mannschaftssport

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