Jungs lesen anders

Themenschwerpunkt Leseförderung - Teil 8

Ist dein Sohn nur schwer zum Lesen zu motivieren oder würde am liebsten ganz auf Bücher verzichten? Dann befindet er sich in guter Gesellschaft. Allgemein ist die Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz bei Jungen vielfach schwächer ausgeprägt als bei Mädchen; laut einer Pisa-Studie von 2000 sind 80 % der Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche männliche Jugendliche. Doch woher kommen diese Unterschiede? Und vor allem: Wie kannst du als Elternteil deinen Sohn trotzdem für Bücher begeistern.

 

Jungs lesen anders: Ursachen

 

Über die Gründe, warum viele Jungen weniger als Mädchen oder gar nicht lesen, gibt es unterschiedliche Vermutungen. Häufig wird Lesen von Jungen als typisch weiblich empfunden – kein Wunder, denn es sind hauptsächlich Frauen, die sich mit Büchern beschäftigen: von der Kindergärtnerin, die vorliest, über die Lehrerin, die die Klassenlektüre auswählt bis zur Mutter, die Buchgeschenke macht oder selbst (Romane) liest. Jungen wollen aber in einem bestimmten Alter nichts mit „Mädchenkram“ zu tun haben und lehnen deshalb auch das Lesen ab. Männliche Lesevorbilder sind rar, häufig befassen Väter sich höchstes mit der Tageszeitung oder den Nachrichten im Internet. Auch inhaltlich kann die frauengeprägte Buchumgebung problematisch sein: Lehrerinnen oder Mütter suchen Lektüre für Jungen häufig (unbewusst) nach ihrem eigenen Geschmack aus, der nicht unbedingt den der Jungs trifft. In den Kinderbuchverlagen sitzen ebenfalls hauptsächlich Frauen, die darüber entscheiden, welche Bücher gemacht werden. Und da Mädchen nun einmal mehr lesen, werden auch mehr Bücher für sie gemacht. Allerdings haben viele Verlage gerade in den letzten Jahren die Jungen wiederentdeckt und zahlreiche Abenteuer-, Fantasy- und Science-Fiction-Serien auf den Markt gebracht.

 

Eine weitere Ursache für die unterschiedliche Lesemotivation bei Jungen und Mädchen könnte darin liegen, dass Jungen oft deutlich technikaffiner sind und den Neuen Medien einen hohen Stellenwert einräumen – Gameboy, Handy und PC lassen grüßen. Jungen lieben vor allem Computerspiele. Hier können sie sich mit anderen messen und haben schnell Erfolgserlebnisse – das „einsame“ Lesen kann diesen Kick nicht bieten. Auch Sport und Action ziehen die meisten Jungen einer Lesestunde vor.

 

Trotz vieler Vermutungen sind eindeutige Ursachen für die mangelnde Lesemotivation der Jungen aber schwer auszumachen. Möglicherweise haben Jungen auch immer schon weniger gelesen, im Zuge von Pisa ist es nur deutlicher aufgefallen? Trotzdem solltest du unbedingt versuchen, deinem Sohn Freude am Lesen zu vermitteln – schließlich ist die Lesefähigkeit nach wie vor eine der wichtigsten Kulturtechniken.

 

Zum Lesen motivieren

 

Leseförderung beginnt schon in der frühen Kindheit. Insbesondere für Jungen sind lesende und vorlesende Väter ein prägendes Rollenvorbild und eine nicht zu unterschätzende Motivation. Bisher liest aber nur jeder zehnte Vater regelmäßig vor. Hier setzt die Aktion „Mein Papa liest mir vor“ von der Stiftung Lesen an. In Kooperationen mit Firmen werden für die Arbeitnehmer wöchentlich kostenloses Vorlesematerial sowie Tipps zum Vorlesen online zur Verfügung gestellt – das Angebot gilt selbstverständlich auch für Mütter.

 

Beim Selberlesen geht es vor allem darum, den Lesespaß bei den Jungen zu wecken und zu erhalten. Das gelingt nur über Bücher oder andere Texte, die genau ihren Geschmack treffen. Mag dein Sohn Fantasy-Romane, realistische Abenteuergeschichten oder doch lieber witzige Slapstick-Romane? Viele Jungen lassen sich auch von Büchern zu Kinofilmen oder Fernsehserien zum Lesen verlocken. Schiebe hier keinen gedanklichen Riegel vor, weil du das vielleicht als Schund empfindest – Lesegeschmäcker ändern sich. Gleiches gilt für Comics oder Comic-Romane. Beide bieten gute Einstiegsmöglichkeiten, da wenig Text mit vielen Bildern aufgelockert wird – zu anspruchsvoll darf es gerade am Anfang nicht sein. Oder interessiert sich dein Sohn für Fußball? Vielleicht möchte er dann gerne mal den Sportteil oder Artikel aus dem Kicker lesen. Da Jungen allgemein sachorientierter lesen, mögen sie häufig auch Sachbücher. Kleine Jungen wollen vielleicht alles über Ritter, Dinosaurier oder das Weltall wissen, für größere dürfen die Themen auch komplexer sein. Lesen muss auch nicht auf die Papierform beschränkt bleiben. Für viele Jungs ist das Lesen von Artikeln im Internet motivierend, genauso wie (interaktive) Bücher oder Apps auf dem Lesegerät.

 

Ziel ist, dass dein Sohn möglicht häufig liest, sodass das Lesen für ihn mühelos wird. Geht einem etwas leicht von der Hand, macht man es meistens auch gern.

 

Gute Jungsbücher

 

Allgemeingültige Kriterien für ein gutes Jungenbuch zu formulieren ist schwierig. Die Jugendbuchautorin Charlotte Habersack hat es einmal so versucht: „Wichtig ist (…) eine männliche Hauptfigur. (…) Diese sollte stark sein – wobei es ganz egal ist, ob sie eine physische, psychische oder moralische Stärke besitzt. Sie sollte einen gewissen Vorbildcharakter haben und Abenteuer bestehen müssen, die tendenziell eher in der Außenwelt liegen. Zu guter Letzt sollte die Hauptfigur das Abenteuer aus eigener Kraft meistern. Wenn das alles stimmt, ist es egal, ob es eine Fantasy-Geschichte oder eine realistische Geschichte ist.“

 

Wie aber findest du nun gute Geschichten für Jungen? Ein Gang in die Buchhandlung ist manchmal verwirrend, denn die Anzahl der Neuerscheinungen ist unüberschaubar. Folgende Internetseiten bieten eine erste Orientierung für Eltern:

 

MANNdat bietet jährlich aktualisierte Leselisten speziell für Jungen an, unterteilt nach verschiedenen Altersbereichen (www.jungenleseliste.de).

 

Kiraka, der Kinderradiokanal vom WDR, liefert alle zwei Monate neue Buch- und Spieletipps: www.kiraka.de.

 

Die Website www.buecherkinder.de bietet eine Fülle von Buchempfehlungen und hat eine eigene Kinder-Redaktion.

 

Auf www.kinder-stadt.de empfehlen Eltern Bücher, die ihren Kindern besonders gut gefallen haben.Unter www.kinderbuch-couch finden Eltern zahlreiche Buchempfehlungen, sortiert nach Alter und Themen.

 

Sehr empfehlenswert ist auch ein regelmäßiger Austausch mit anderen Müttern über angesagte Buchthemen. Oder frage direkt gern lesende Jungen nach ihren Empfehlungen – genauer kann ein Tipp nicht sein.

 

Eine Buchempfehlung zum Thema findest du unter  www.warumjungennichtmehrlesen.de.

 

In Teil 9 unseres Themenspecials zur Leseförderung kannst du nachlesen, wie viele Möglichkeiten es gibt, Kinder für Bücher und das Lesen zu begeistern.

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