„Jedes Kind hat das Recht, das Buch zu entdecken, von dem es fasziniert ist“

Themensschwerpunkt Leseförderung - Teil 10

Welche Rolle spielen Autoren und Verlage bei dem Thema Leseförderung?

 

Im Grunde beginnt die Leseförderung schon beim Schreiben des Buches. Sein Inhalt muss dein Kind begeistern, fesseln und berühren, sonst wird es die (anfängliche) Mühe des Lesens nur ungern auf sich nehmen. Vor allem, wenn bequemere Unterhaltung in Form von Fernsehen oder Computerspielen lockt. Der Autor muss sich also gut in die kindliche Seele hineinversetzen können und seine Geschichte in kindgerechter, aber nicht einfallsloser Sprache aufschreiben. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhört, denn zusätzlich müssen – zumindest im Erstlesebereich – auch noch Vorgaben vom Verlag wie Satz- und Textlänge und manchmal sogar ein bestimmter Wortschatz berücksichtigt werden.

 

Auf der Frankfurter Buchmesse haben wir unseren Autor Thomas Brezina gefragt, wie er sich als Lesebotschafter einsetzt:

 

 

Lesebotschafter Thomas C. Brezina engagiert sich für Kinder, die nicht so gerne lesen. Er ist der Meinung, dass man mit Büchern Abenteuer erlebt und jedes Kind sein Buch für sich entdecken muss.

 

Steht das Buch fertig in der Buchhandlung, fängt für viele Autoren die aktive Leseförderung an: Sie gehen mit ihrem Buch auf Lesereise. Meist werden sie von Schulen, Bibliotheken oder Buchhandlungen angefragt, oder sie lesen auf Buchmessen und anderen Veranstaltungen. Der direkte Kontakt zum Autor ist für Kinder ein besonderes Erlebnis und fördert das Interesse an Büchern und die Lesemotivation in hohem Maß: Lesungen lassen Bücher lebendig werden! Besonders attraktiv sind gemeinsame Lesungen von Autor und Illustrator – der eine liest vor und der andere zeichnet dazu. Eine Liste von lesewilligen Autoren findest du auf der Homepage des Friedrich-Bödecker-Kreises, der sich für Begegnungen mit Autoren engagiert. Natürlich kannst du auch bei jedem Verlag direkt anfragen, am besten in der Pressestelle. Für eine Lesung bekommt der Autor ein vorher festgelegtes Honorar.

 

Autoren können sich darüber hinaus als Lesepaten zur Verfügung stellen. Lesepaten arbeiten ehrenamtlich, sie gehen regelmäßig oder punktuell in Kindergärten, Schulen, Horte etc. und lesen vor oder gemeinsam mit den Kindern. Manchmal arbeiten sie auch länger mit einzelnen Kindern oder Kindergruppen. Lesepaten werden immer gesucht, auch du kannst dich engagieren. Links dazu findest du unter diesem Blogeintrag.

 

Die Stiftung Lesen hat sich eine weitere spannende Aktion zur Leseförderung überlegt: Herausragende Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen werben als Lesebotschafter für verschiedene Projekte der Stiftung. Ihr Ziel: Deutschland in ein Lese-Land zu verwandeln und das Lesen in allen Gesellschaftsschichten zu fördern. Prominente Lesebotschafter sind beispielsweise Philipp Lahm, Maria Furtwängler, Jan Delay oder Nazan Eckes. Auch Autoren wie Cornelia Funke gehören dazu. Schneiderbuchautor Thomas Brezina engagiert sich schon lange für die Leseförderung, er ist u. a. Schirmherr des Wiener Kinderbuchspektakels, das sich an LehrerInnen wendet und originelle Aktionen zur Leseförderung auszeichnet.

 

Damit Kinder Gernleser werden, ist die Einbeziehung der Eltern grundlegend – schließlich bist du ein wichtiges (Lese-)Vorbild und vermittelst deinem Kind durch das Miteinandersprechen und Vorlesen die Basis für seine Sprach- und Lesekompetenz. Einige Kinderbuchverlage wie z. B. der Carlsen Verlag oder natürlich auch Schneiderbuch möchten dich dabei unterstützen und geben auf ihrer Homepage Tipps zum Vorlesen, empfehlen Ferienlektüre, erklären Erstlesekonzepte oder stellen interessante Neuheiten vor.

 

Um verstärkt in Klassenzimmern präsent sein, schlagen einige Verlage ihre Titel als Klassenlektüre vor. Sie entwickeln mit externen Experten kostenfreie Arbeitsmaterialien dazu und stellen sie Lehrern zum Download zur Verfügung. Beispiele hierfür sind der Loewe Verlag oder der dtv Verlag.

 

Leselust lässt sich auch mit gezielten Projekten oder Veranstaltungen zur Leseförderung wecken. Manche Verlage stellen selbst Aktionen wie Geschichtenwettbewerbe oder Prämierungen von Lesetagebüchern auf die Beine, andere sponsern externe Initiativen. Carlsen und Oetinger unterstützen beispielsweise das Lesefestival Seiteneinsteiger in Hamburg. Dort warten zahlreiche Lesungen, Workshops, literarische Spaziergänge oder Verlagsbesuche auf die jungen Leser.

 

Gemeinsam mit dem Ravensburger Verlag hat Oetinger ein weiteres Leseförderprojekt ins Leben gerufen: den Lesekoffer. Für vier Wochen bekommt eine Grundschulklasse einen Lesekoffer mit 60 Titeln, die jedes Jahr neu zusammengestellt werden. Die Kinder lesen diese einzeln oder gemeinsam und halten in einem Lesetagebuch Eindrücke und Tipps fest. Anschließend wird der Koffer mit einem kleinen Lesefest an die nächste Klasse übergeben. Am Ende der Lesekofferreise treffen sich alle teilnehmenden Schüler zu einer großen Party. Seit 2012 gibt es den Lesekoffer auch für Kindergärten.

 

Auch spannend für Kinder: Führungen durch die Verlagsgebäude. Heute sind zwar in der Regel keine Druckmaschinen und Bindestraßen mehr zu bestaunen, dafür lernen die Kinder in den einzelnen Abteilungen den Herstellungsprozess eines Buches kennen – und die Menschen, die dort arbeiten. Früher waren Führungen beim Schneiderbuchverlag besonders interessant, weil es neben einer Buchbinderei und der Auslieferung auch eine Hausdruckerei gab. Äußerst beliebt war außerdem die mobile Buchpresse, mit der die Kinder ein eigenes Buch herstellen konnten. Um Verlagsführungen zu organisieren, wendest du dich an die Pressestelle des jeweiligen Verlags.

 

Eine gute Idee ist die Zusammenarbeit von Verlagen mit Bibliotheken, auch wenn beide auf den ersten Blick unterschiedliche Ziele verfolgen: Bücher verleihen versus verkaufen. Doch letztlich profitieren beide, wenn Kinder zu begeisterten Lesern werden. Die meisten öffentlichen Bibliotheken haben ein breites Programm mit tollen Aktionen für mehr Lesespaß. Die Angebote reichen von Bilderbuchkino über Bookslams und Bücherrallyes bis zu Lesenächten und Ferienprogrammen.

 

Leseförderung kann natürlich auch so aussehen, dass der Verlag sein Programm auf die Bedürfnisse von Kindern oder Jugendlichen mit Leseschwierigkeiten ausrichtet und dafür spezielle Reihen entwickelt:

 

Buchreihen für leseschwache Kinder und Jugendliche: www.verlagruhr.de.

 

Bücher in einfacher Sprache für Jugendliche und Erwachsene: www.spassamlesenverlag.de.

 

Eigenentwicklungen, Bücherzeitschriften und ausgewählte Bücher aus dem Kinderbuchmarkt für leseschwache Kinder: www.verlageste.de.

 

Welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit Leseförderung auch bei zweisprachigen Kindern funktioniert, kannst du in Teil 11 unseres Themenspecials nachlesen.

Eure Meinung

Es gibt noch keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!