Ihr geht mit der Welt um, als hättet ihr eine zweite Welt im Keller

Tierschutz im Kinderbuch - gestern und heute

Zur Vorbereitung des hundertjährigen Verlagsjubiläums wollten wir einen Schatz heben. Hunderte Kisten mit Archivmaterial und alten Dokumenten schlummerten im Keller, und noch nie hatte jemand einen so genauen Blick auf das Material geworfen. Bewaffnet mit leichtem Atemschutz und Gummihandschuhen machten sich bereits ein Jahr vor dem Fest zwei mutige Studentinnen auf den Weg in die Gewölbe, um zu suchen, zu sortieren und zu archivieren: Manuskripte, Handschriften, Zeichnungen, Illustrationen, Fotos, Dias, Werbeplakate und Filmrollen kamen ans Tageslicht. Ein ganzes Universum der Kinderbuch-Nostalgie erwachte vor unseren Augen. Die alten Buchumschläge der Reihen, die uns heute noch vertraut sind – wie Bille und Zottel oder Hanni und Nannientlockten uns ein ums andere Mal ein Schmunzeln. Ja, das war auch die Bücherwelt unserer eigenen Kindheit, und Franca und Sarah, die Studentinnen, haben sie wieder ans Licht gebracht.

 

Frösche, Pferde und Kaninchen und die Aktion Ameise: Eine zweite Welt im Keller?

Beim gemeinsamen Sichten des Archivs fiel mir eine Werbebroschüre in die Hand: Aktion Ameise – Wir tun was. Das starke fleißige Tierchen auf dem Logo kannte ich doch! Muss in den frühen Achtzigern gewesen sein, und so ein Buch hatte ich auch. Ich habe es heute noch, es heißt Wir tun was für Frösche und Kröten, Schneiderbuch, fünf Mark, durchaus taschengeldgerecht und lange Zeit mein Lieblingsbuch, weil ich wohl ein Herz für Frösche und Kröten hatte. Das Buch war toll gemacht und enthielt alles, was man zum Thema wissen muss und braucht, um sich für Kriechtiere einzusetzen. Eines war das Froschbuch aber bestimmt nicht: spannend! Ich war aber schon 15 und konnte es mit „wissenschaftlicher“ Lektüre aufnehmen. Meine kleine Schwester Katja war 11 ½, Typ Pferdemädchen, las damals am liebsten Bille und Zottel und entwickelte mit jedem verschlungenen Band eine zunehmende Abneigung gegenüber dem Turnierreiten: Anscheinend stellte sich auch für Bille die Frage nach artgerechtem Umgang mit Tieren. Bille und Zottel-Bücher gibt es immer noch in der Buchhandlung und Katja ist Grundschullehrerin geworden, liebt ihren Beruf und hat Zeit für zwei große Gärten, Hühner, Kaninchen und ein Pferd mit Locken

 

Thomas, Penny, Patrick, Luk, Biggi und die Tiere

Wie gesagt, obwohl eine tolle Sache – für Zehnjährige war das Froschbuch in meinen Augen weniger geeignet. Heute kommt das wichtige Anliegen anders daher: In einem spannenden Abenteuer, in dem man auch noch Miträtseln darf, wirkt das Thema Tier- und Umweltschutz weniger sperrig und pädagogisch: Es ist einfach lebendiger, unterhält und macht Spaß, und nebenbei sollte es sowieso selbstverständlich sein, dass man Tiere nicht einsperrt, nicht quält oder sonst was mit ihnen anstellt, was sie nicht mögen. Leute, die so etwas tun, gehören eingesperrt. Die Tiere müssen gerettet werden. Klingt lustig, ist aber ernst gemeint!

 

Besonders fesselnd kann so etwas Thomas C. Brezina schreiben. Mein Lieblings-Kinderbuch-Geschenk aus seiner Tiger Team-Reihe ist Band 33, Das verbotene Labor. Die Detektive Patrick, Luk und Biggi stoßen auf ein verstecktes Tierversuchslabor, und die Mission ist klar. In einem Interview im Anhang seines Buch Das Schloss der weißen Pferde aus der Reihe Sieben Pfoten für Penny bringt es Bestsellerautor Brezina auf den Punkt: „Ich wollte über ein starkes Mädchen schreiben, das sich für Tiere einsetzt. Wenn durch meine Geschichten den Tieren mehr Achtung entgegengebracht wird, würde ich mich sehr freuen.“

 

Vielen Dank Thomas! Viel Glück Penny!

 

Euer Markus vom Schneiderbuch-Team

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