Die Nachkriegsjahre

1946, nach dem Tod von Franz Schneider Senior, bemühten sich seine Frau Luise und Sohn Franz-Joachim um einen Wiederaufbau. Da Wittenberg in der damaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) lag, brauchte man für das Verlegen von Büchern die Genehmigung der russischen Administration. Diese wurde nicht erteilt. Jedoch war von Franz Schneider bereits 1943 der Vier Tannen Verlag gegründet worden, in dem überwiegend märchenhafte Stoffe im kleinen Hardcoverformat veröffentlicht wurden. Er bestand bis 1949 und sicherte die Existenz, da er ohne Probleme die erforderliche Lizenz erhielt.

 

Verleger Franz Schneider Franz-Joachim Schneider, der Sohn des Verlagsgründers, organisierte 1947 den Umzug nach Westen und ließ über Umwege und großen Schwierigkeiten Hausrat und das gesamte Mobiliar in einem Güterwaggon über die Zonengrenze nach Augsburg in die amerikanische Zone schaffen. Bei den Bombenangriffen auf Berlin waren drei Waggons mit druckfrischen Büchern unversehrt geblieben, die nach 1945 verkauft werden konnten. Die Verlagslizenz wurde kurz vor der Währungsreform in den drei Westzonen 1948 erteilt. Damit konnte der Wiederaufbau beginnen.

 

16 Titel erschienen im Jahr 1948, ab 1949 wurden bereits jährlich 300.000 Bücher verkauft. Franz-Joachim Schneider wurde Mitinhaber und Gesellschafter des Verlags. Von ihm soll der Name „Onkel Franz von den Schneider-Büchern“ stammen, mit dem die Gewinnspielkarten unterzeichnet wurden, die ab Mitte der Fünfziger jahre in jedem Buch miteingebunden waren und eine starke Leserbindung schufen. 1953 wurde der griffige und bis heute verwendete Slogan „Kinder lieben Schneider-Bücher“ kreiert. Das Verlagslogo erfuhr im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Veränderungen, von der Jugendstil-Schrift über das Oval (die „Zigarre“) bis hin zum Rechteck mit dem auffälligen roten Schneider-S, das ab 1963 auf jedem Buch prangte. Ebenfalls in den Sechzigerjahren wurde die Schreibweise „SchneiderBuch“ eingeführt.

 

Goldenes Schneiderbuch Verleger Franz Schneider

 

1953 siedelte der Verlag nach München-Schwabing in ein 2-Zimmer-Wohnbüro über, um 1956 auf einem eigenen, 10.000 qm großen Gelände im Münchner Norden bis 1994 eine Bleibe zu finden. Auf 350 qm befanden sich Lektorat, Verkauf, eine Binderei und eine Kantine. Die eigene Auslieferung kam 1966 dazu. Neben klassischen „Hausautoren“ wie Margarete Haller (Gisel und Ursel) oder Erich Kloss (Försterhaus-Serie), die weiterhin ihr Lesepublikum fanden, kam nun auch eine neue Autorengeneration zum Zug. Der Schriftsteller, Schauspieler und Kabarettist Oliver Hassencamp startete 1959 die äußerst erfolgreiche Serie Burg Schreckenstein, in der bis 1988 27 Bände erschienen. 1954 veröffentlichte Rolf Ulrici seinen ersten Käptn Konny Rolf Ulrici Verleger Franz SchneiderKäpt’n Konny-Band, dem bis 1974 sieben weitere Bände folgen sollten. Marie Louise Fischer, eine über Jahrzehnte sehr erfolgreiche Unterhaltungsschriftstellerin, dockte ebenfalls Ende der Fünfziger an und veröffentlichte mit der Zeit mehr als 70 Mädchenbücher bei Verleger Franz Schneider, sowohl Einzel- als auch Fortsetzungsbände. Ihr Mann Hans Gustl Kernmayer war im Jugend-Sachbuch und Mädchenbuch erfolgreich. Seine Lausbuben- und Abenteuergeschichten wurden von Mädchen und Jungen gleichermaßen gern gelesen.

 

Durch die Gründung der Internationalen Jugendbibliothek und im Zuge der Rückkehr emigrierter Autoren entstand in München eine rührige Jugendliteraturszene, in der der Franz Schneider Verlag über ein halbes Jahrhundert lang eine wichtige Rolle spielen sollte.

 

Onkel Franz und die goldenen Sechziger

Eure Meinung

  1. Fritz 23.11.2016

    Käptn Konny gehört einfach zu meiner Kinderzeit. Tolle Bücher. Wenn ich dran denke, rieche ich immer noch Smutje Jörn’s leckere Frikadellen….;-))

  2. Heike Freytag 01.10.2014

    Liebe Ursula,
    es heisst “Inge bei den Malayen”…ich habe diese Bücher als Kind “verschlungen”, habe sie von meiner Mutter zum lesen bekommen….als ich 11 war und das ist gerade etwas über 35 Jahre her. Ich finde es super, dass es diese Bücher noch zu kaufen gibt…es waren nahezu die ersten Bücher, die ich gelesen habe und erinnere mich noch heute daran….Liebe Grüße
    Heike Freytag
    Hier einmal ein Link, auf dem es deutlich zu sehen ist…

    http://www.ebay.de/itm/INGE-REIST-IN-DIE-WELT-MALEIEN-AUF-BORNEO-PLANTAGE-von-H-Horlyk-/390928195667?ssPageName=VIP:watchlink:top:de&fromMakeTrack=true

  3. Ursula Purwien 08.06.2014

    Hallo, liebe Schneider Familie,
    das allererste Buch, das ich jemals gelesen habe, war natuerlich ein Schneiderbuch. Es muss wohl so in der Mitte der 50ziger Jahre gewesen sein. Es hiess “Inge reist in die Welt”. Es gab noch drei weitere Buecher in dieser Reihe: Inge auf Borneo, Inge auf den ??? und Inge, die Herrin der Plantage. Mein Bruder und ich haben seit langem eine Meinungsverschiedenheit ueber den Titel des 2. Buches. War es “Malediven” oder “Malayen”? Koennten Sie das fuer mich herausfinden? Ich waere Ihnen sehr dankbar.
    Uebrigens, ich glaube ganz fest daran, dass die Inge-Buecher mit ausschlaggebend waren, dass ich ausgewandert bin. Seit 31 Jahren wohne ich in Australien und irgendwann werde ich auch noch nach Borneo kommen. Das liegt ja fast bei uns um die Ecke.
    Viele Gruesse und danke, dass die Schneiderbuecher schon frueh in mir das Verlangen erweckt haben, die Welt zu sehen.
    Ihre Ursula Purwien