Berufswahl im Jugendbuch der Fünfzigerjahre

100 Jahre Schneiderbuch – Fundstück der Woche

Während Kurt sich immerhin noch mit seinem Vater beraten darf, ob er ins Kontor oder an die Drehbank gehört, ist für Gerti schon alles gelaufen; ihr ist eine Stelle in der Textilabteilung des großen Kaufhauses vorbestimmt. Das scheint recht typisch für die Berufswahl in den Fünfzigerjahren zu sein. Davon zeugen unsere Fundstücke der Woche aus dem Schneiderbuch-Archiv Gerti zwischen Samt und Seide sowie Kurt an der Drehbank.

Kurt und Gerti - Berufswahl 50er Jahre

Berufswahl im Jugendbuch

Ein beliebtes elterliches Motto der damaligen Zeit war: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Weitaus Hilfreicheres zu diesem Thema gab es im Franz Schneider Verlag bereits in den frühen Fünfzigerjahren mit einem damals innovativen Buchkonzept – dem Ausbildungsroman. Durchaus realistisch und detailreich wurden Einblicke in den beruflichen Alltag vermittelt. Ein kleines Abenteuer durfte in der Arbeitswelt natürlich auch nicht fehlen – allerdings immer in den Grenzen der damals gängigen Geschlechterrollen.

 

Gertis Geschichte nimmt in den Nachkriegsjahren und zur Wirtschaftswunderzeit ihren Lauf weitgehend ohne große Höhepunkte: Der Alltag im Kaufhaus, ein paar verschwundene Blusen, die Mutter im Krankenhaus, jetzt muss Gerti natürlich auch noch nachts den Haushalt schmeißen und Papa und Bruder bekochen; da wird es zur größten Sorge, tagsüber stets adrett, fröhlich und hilfsbereit zu bleiben. Das Kaufhaus ist kein Ponyhof!

 

Kurt darf sich bei der Berufswahl immerhin 23 Seiten lang orientieren. Seine Erlebnisse zwischen Lokomotiven und Schiffen klingen sogar nach etwas Abenteuer – UND ihm winken Aufstiegsmöglichkeiten zum Ingenieur. Darüber informiert eine kurze Berufskunde auf der letzten Seite des Buches. Ob die Träumerei von der Seereise nach Afrika als Erholung nach der Gesellenprüfung Wirklichkeit wird, bleibt indes offen.

 

Gertis größter Auftritt: Mannequin bei der Brautmodenschau des großen Kaufhauses – „Dann rauscht begeistertes Händeklatschen auf. Gerti hört es nur noch wie im Traum, wie das Brausen von Meereswellen.“

Kurt an der Drehbank Illustration 50er Jahre

Kurt radelt in die Fabrik: Dort liegt also die neue Arbeitsstätte!

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