Begeistern für Bücher

Themenschwerpunkt Leseförderung - Teil 9

Kinder und Bücher – um diese Beziehung zu stärken, sind nicht nur klassische Lesefördermethoden gefragt. Begeisterung für Bücher wird auch geweckt, indem die Kinder sich mit angrenzenden Themen beschäftigen und vor allem selbst aktiv werden. Beispiele gefällig? Hier kommen sie …

 

Wie entsteht ein Buch? Verlags- und Druckereibesuch

 

Viele Kinder (und auch Eltern) haben nur eine vage Vorstellung davon, welche Arbeitsschritte notwendig sind, bis ein fertiges Buch in der Buchhandlung steht. Wer entscheidet, welche Titel gedruckt werden? Was macht eigentlich ein Lektor? Wie kommen die Bilder ins Buch? Die Auseinanderstzung mit solchen Fragen kann durchaus motivieren, sich (wieder) mit Büchern zu beschäftigen. Auf Anfrage bieten viele Verlage Führungen für Schulklassen an, in denen sie die einzelnen Abteilungen und deren Aufgaben vorstellen. Auch wenn die Arbeit heutzutage meist an Computern stattfindet, werden die Kinder interessante Eindrücke mitnehmen.

 

In den Druckereien, die heute nur noch selten zu einem einzelnen Verlag gehören, gibt es dann richtig etwas zu sehen: Die Druckmaschinen rattern, Buchstaben und Bilder werden auf Papier gezaubert, Druckbögen werden geschnitten und in der Binderei zu einem Buch zusammengefügt. Frage in Druckereien in deiner Nähe nach Führungen.

 

Auch interessant: Das Gutenberg Museum (www.gutenberg-museum.de) und andere historische Buchdruckereien informieren über die „Schwarze Kunst“ und zeigen, wie früher Bücher per Hand gesetzt wurden. Führungen und Workshops laden zum Mitmachen ein.

 

Bücher selbst gemacht

 

Ein Buch selbst herzustellen fördert (sprachliche) Kreativität und Fantasie in besonderem Maß, das Endprodukt erfüllt das Kind mit Stolz. Wie wäre es mit einem Buchworkshop in der Schule deines Kindes? Je nach Alter und Fähigkeiten der Kinder gibt es verschiedene Möglichkeiten für ein eigenes Buch. Am einfachsten ist es, wenn die Kinder vorgegebene Texte abschreiben und eigene Bilder dazu malen. Der Lehrer kann auch ein Thema vorgeben oder eine Bildergeschichte nacherzählen lassen. Kreativer ist das Erzählen und Aufschreiben von besonderen Erlebnissen in eigenen Worten. Möglich sind auch „Sachbücher“ zu Themen, mit denen die Kinder sich gut auskennen, wie etwa Pferde oder Dinosaurier. Die Bilder können mit Farb-, Wachs- oder Buntstiften, mit Wasserfarben oder auch im Linolschnitt erstellt werden, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die fertigen Buchseiten kann man entweder zu einem Leporello zusammenlegen, den man mit einem festen Einband versieht, oder die Kinder gestalten einen Buchdeckel aus Pappe, der anschließend mithilfe einer Spiralbindemaschine mit dem Buchblock verbunden wird. Etwas aufwendiger ist es, den Buchblock zu nähen und anschließend in einen Bucheinband einzukleben. Unter „Buch selbst binden“ findest du in Google und bei youtube zahlreiche Anleitungen zum professionellen Buchbinden.

 

Inspiration zum Thema Büchermachen bietet der Verein Buchkinder Leipzig. e.V., der seit 2001 mit Kindern zwischen 418 Jahren tolle Buchunikate herstellt. Mehr Infos findest du unter www.buchkinder.de.

 

Trendthema Tagebuch

 

Witzige Serien im Tagebuchstil wie etwas Dork diaries, Tom Gates, Barry Loser oder Gregs Tagebuch haben momentan Hochkonjunktur und Begeistern für Bücher wie kein anderes Genre. Ist dein Kind ebenfalls Fan von Nikki, Tom Gates, Barry Loser, Greg & Co? Ein guter Anlass, es für das Tagebuchschreiben zu begeistern! Ein Einstieg könnte ein Ferientagebuch sein, in dem dein Kind seine schönsten, lustigsten oder spannendsten Erlebnisse festhält. Teenager können im Tagebuch Dampf ablassen, Liebeskummer verarbeiten oder andere Probleme reflektieren. Hilfreich ist es, sich beim Schreiben vorzustellen, mit dem besten Freund/der besten Freundin zu sprechen. Dein Kind sollte keinesfalls das Gefühl haben, etwas Besonderes oder Spektakuläres aufschreiben zu müssen. Es geht um Alltagserlebnisse, Gedanken, Gefühle, Träume. Das Tagbuch ist nur für das Kind, es darf hier so schreiben, wie es ihm gefällt, es darf durchstreichen, in Stichworten schreiben oder krakeln. Zwang ist immer kontraproduktiv – dein Kind wird nur schreiben, wenn es das möchte, vielleicht legt es auch immer wieder längere Pausen ein.

 

Eine moderne Form des (öffentlichen) Tagebuchs ist der Weblog. Einen Blog einzurichten ist heute nicht mehr allzu kompliziert. Sinnvoll ist das aber nur für ältere Kinder bzw. Jugendliche, die ein spezielles Hobby oder Thema haben, zu dem sie regelmäßig neue Beiträge veröffentlichen wollen – der Arbeitsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund ist Bloggen bei Jugendlichen auch nicht sonderlich beliebt, viel häufiger sind Kurzpostings auf sozialen Plattformen. Ob Postings oder Blogs – du solltest im Auge behalten, dass dein Kind keine privaten Informationen von sich preisgibt.

 

Schreibwerkstätten

 

Für etwas ältere Schüler bieten die Literaturhäuser in größeren Städten Schreibwerkstätten in verschiedener Form an. Das Verfassen von Texten soll zu einer kreativen Auseinandersetzung mit Sprache anregen, das Verständnis für Literatur erweitern sowie Sprachsensibilität und Fantasie fördern, kurz. Die Angebote decken verschiedenste Interessen ab und reichen von Prosa, Lyrik und Drama über Comic und Reportage bis zu Rap und Sprachspielen. Aktuelle Angebote findest du z. B. unter www.literaturhaus-muenchen.de, www.literaturhaus-frankfurt.de, www.literaturhaus-berlin.de.

 

Theater, Theater

 

Die sprachliche Bildung deines Kindes umfasst mehr als Texte lesen und verstehen zu können. Das Hineinwachsen in die Schrift- und Sprachkultur ist ein vielfältiger Prozess, der verschiedener Angebote bedarf, die über das Vorlesen hinausgehen. Eine Möglichkeit, Texten lebendig zu begegnen, bietet das (Kinder-)Theater. Viele Stücke beziehen sich auf Märchen oder Kinderbücher, beispielsweise von Astrid Lindgren oder Paul Maar. Erkundige dich in deiner Stadt nach dem aktuellen Spielplan. Vielleicht läuft gerade ein Stück, dessen Geschichte ihr kurz zuvor gemeinsam gelesen habt? Oder ihr schaut euch erst das Stück an und lest anschließend das Buch – dein Kind ist mit Sicherheit neugierig, wie die Geschichte dort erzählt wird.

 

In der Schule kann eine Klasse im Rahmen der erweiterten Leseförderung auch selbst ein Theaterstück einstudieren. Die Proben erfordern von den Kindern eine intensive Auseinandersetzung mit Text und Sprache, statt ums Vorlesen geht es ums Vorspielen mit ganzem Körpereinsatz – eine eindringliche Erfahrung. Zusätzliche Motivation liefert natürlich die abschließende Aufführung mit Lampenfieber und Applaus.

 

Wie sich Verlage und ihre Autoren für Leseförderung engagieren, kannst du in Teil 10 unseres Themenspecials nachlesen.

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