Bis heute erreichen uns immer wieder Anfragen von Eltern, Buchhändlern, Bibliothekaren und Lehrern, die diesen Film noch von früher kennen und sich gerne erinnern. Wir hatten ihn schon verschollen geglaubt, und keine Suchmaschine und kein Youtube brachte uns auf die Spur – bis bei der Sichtung unseres Verlagsarchivs ganz unten in einem Karton Filmrollen in diesen flachen, angestoßenen Blechdosen auftauchten: Vergilbte Aufschrift Franz Schneider, Wie ein Jugendbuch entsteht.
Eine Rolle Film, eine Rolle Tonspur, Material: Zelluloid 16 mm – erst Mal keine Chance, so etwas anzuschauen. Also rasch ab damit zum Digitaliseren in die Kopieranstalt. Schon wenige Tage später konnten wir im Konferenzraum des Verlages für alle Kolleginnen und Kollegen eine kleine Kinovorführung veranstalten: Schwarz und weiß, herrlich entschleunigt und voller nostalgischer Szenen zum Schmunzeln und Staunen über so viel Handwerk.
In den Hauptrollen der Version in originaler Länge spielen sich selbst: Zwei lesende Lausbuben, Rolf Ulrici als Autor, Franz Schneider junior als Verleger, Ulrik Schramm als Illustrator, das freundliche Fräulein von der Rezeption, der Restuscheur, der Metteur (Setzer), Geselle und Meister beim Buchdruck sowie Heerscharen weiterer, fleißiger Hände.
Sie alle begleiten den eigentlichen Star des Films, Ulricis Jugendbuch Kai erobert Brixholm, durch die Handlung – von der Idee bis ins Schaufenster. Ort der Handlung ist München zu Anfang der Sechzigerjahre. Tolle Klamotten, rauchende Köpfe, unglaublich präzise Handarbeit und ratternde Maschinen bestimmen die Szenerie. Ein besonders schöner Opel P1-Caravan fährt am Ende an der Buchhandlung Hugendubel in der Münchner Salvatorstraße vor; der Lieferant im blauen (?) Kittel trägt ein großes Buchpaket in das Geschäft: Das Abenteuer steht endlich in der Auslage und wartet auf die Lausbuben.
Antiquarische Ausgaben des Buches Kai erobert Brixholm sowie fast alle anderen alten Schneiderbücher aus einhundert Jahren kannst du immer noch in der wundervollen Bücherkiste von Christine und Detlef Heinsohn anschauen und kaufen.
Unser Artikel “Onkel Franz” und die goldenen Sechziger skizziert die innovative unternehmerische Leistung des Verlegers Franz Schneider junior im Jahrzehnt des Booms der SchneiderBücher, zu dessen Beginn dieser Film entstand: Die damalige Idee eines augenzwinkernden Blicks hinter die Kulissen – inzwischen längst Making Of oder Behind the Scenes genannt – ist wohl bis heute für die Buchbranche revolutionär und unvergessen. Wenn auch zeitgenössische Buchtrailer ihren Blick ihren Blick in vielfältigen Spielarten noch stärker auf Autor sowie Story richten und sich in unzähligen Kanälen verstreuen lassen, bleiben Idee, Gestaltung und Aufwand dieser Produktion einzigartig.
Herzlichen Dank und beste Empfehlungen gehen an die Firma screenshot (Mario Loose, Sredzkistr. 24, D-10435 Berlin) und Herrn Butschkau für die tolle Beratung und rasche wie sorgsame Bearbeitung des originalen Filmmaterials.
Von der Idee zur Geschichte und zum Bild: Autor Rolf Ulrici, ganz links im Bild
Im Jahr 1960 heiratete Franz-Joachim Schneider Gisela Oehmke. 1964 starb Luise Schneider, und ihr Sohn Franz-Joachim wurde Alleininhaber. Gisela Schneider arbeitete nun im Lektorat des Verlages (1978 in Redaktion umbenannt) aktiv mit – meistens der Kinder wegen von zu Hause aus – und bezog 1972 ein eigenes Büro in dem neuen Verwaltungsgebäude. Fortan nahm sie an Kongressen, Fachmessen und Fortbildungsmaßnahmen teil und betreute bald darauf als Programmleiterin die Hardcover-Titel. ...
1927 siedelte der Verlag wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach Leipzig über, 1936 (bis auf das Auslieferungslager) wieder zurück nach Berlin. Im Jahr 1943 wurden die Buchvorräte des Verlages in Leipzig durch Bombenangriffe zerstört. Franz Schneiders Frau Luise hatte zudem in den letzten Kriegsjahren größere Mengen Akten in die Altpapiersammlung der Schulen gegeben: Korrespondenzen, Durchschläge und vermutlich auch Archivbestände. Ihrem Sohn Franz-Joachim hatte dies Pluspunkte bei der schulischen Notengebung und öffentliche Belobigungen...
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