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Außerfamiliäre Leseförderung

Themenschwerpunkt Leseförderung - Teil 5

Lesekompetenz wird vor allem innerhalb der Familie erworben: Du als Elternteil vermittelst deinem Kind den notwendigen Wortschatz, die Sprachfähigkeit, die Lust und Neugier auf Geschichten. In der Schule, in manchen Fällen auch schon im Kindergarten, lernen die Kleinen darauf aufbauend schreiben und lesen. Lesen können und lesen wollen sind aber oft zwei verschiedene Paar Schuhe. Motivation ist das A und O, denn ohne sie wird kein Kind zum Gern- und Vielleser. In Kindergärten, in der Schule, in Bibliotheken und im Internet gibt es deshalb zahlreiche Lesefördermaßnahmen, von denen wir im Folgenden einige vorstellen.

 

Kleinkinder und Kindergarten

 

In bisher fünf Bundesländern gibt es von der Stiftung Lesen die „Lesestart-Initiative“. Sie erinnert Eltern an die große Bedeutung des Vorlesens und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur frühen Sprach- und Leseförderung. Du als Elternteil erhältst dort dreimal je ein Lesestart-Set mit einer Infobroschüre über das Thema „Vorlesen“ und einem Buchgeschenk, wenn dein Kind ein, drei und sechs Jahre alt ist. 2012 ist das Angebot um eine kostenlose Vorlese-App erweitert worden. Unter www.lesestart.de findest du weitere Details über diese sinnvolle Aktion.

 

In den Kindergärten gibt es bezüglich Leseförderung unterschiedliche Konzepte. In manchen ist eine Tendenz zur Verschulung zu beobachten. Hier sollen die Kinder durchaus einfache Wörter lesen lernen. Die meisten Kindergärten aber möchten durch Vorlesen und gemeinsames Bilderbücheranschauen die Vorfreude aufs Lesen schüren und spielerisch die Voraussetzungen für das eigene Lesen schaffen.

 

In fast allen Kindergärten-Bildungsplänen ist die „Literacy-Erziehung“ verankert. Der Begriff stammt aus dem angloamerikanischen Raum und steht für Lese- und Schreibkompetenz, im weiteren Sinne auch für Text- und Sinnverständnis, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern bis hin zum kompetenten Umgang mit Medien. Das Konzept möchte vor allem die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder durch ihre verschiedenen Erfahrungen im Elternhaus ausgleichen. Zu den Methoden der Literacy-Erziehung gehören beispielsweise gemeinsame Bilderbuchbetrachtung, Vorlesen/Nacherzählen, freies Erzählen und die selbstverständliche Einbindung von Schrift in den Kindergarten-Alltag. Zum spielerischen Umgang mit Sprache gehören auch Singen, Klatschen und „Mitmachlieder“, die alle Sinne des Kindes fördern, sowie Reime und Sprachspiele.

 

Schule

 

Jede Schule ist zugleich eine Leselernschule – nicht nur im Deutschunterricht, sondern fächerübergreifend. Ziel ist dabei nicht nur die reine „Technik“ des Lesens, vielmehr sollte das Kind Spaß am Lesen entwickeln und sich auch außerhalb der Schule mit Büchern oder anderen Texten beschäftigen wollen. Um dies zu erreichen, gibt es in fast allen Bundesländern eigene Konzepte zur Leseförderung. Zu den Methoden gehören zum Beispiel Schreibwerkstätten, in denen die Kinder eigene Texte verfassen oder sogar ganze Bücher herstellen. Es werden neue Medien wie Computer, Aufnahmegerät oder Video einbezogen, um aus Texten eigene Hörspiele oder Videosequenzen zu produzieren. Vor allem buchferne Kinder versucht man so wieder an das Lesen heranzuführen. Buchvorstellungen, in denen das Lieblingsbuch den Mitschülern präsentiert wird, gehören in vielen Schulen zum festen Repertoire.

 

In dem 2003 gestarteten Projekt „Mein Lieblingsbuch“ wird dazu explizit der Computer eingebunden, um die Medienkompetenz zu fördern. Die Kinder sollen mithilfe des Internets eigene Rezensionen ihrer Lieblingsbücher erarbeiten und präsentieren. Auch das Konzept der „Lesekiste“ hat in vielen Schulen Einzug gehalten. Dabei wird ein einfacher Schuhkarton vor, während oder nach der Lektüre eines Buches mit konkreten Gegenständen gefüllt, die im Text vorkommen. So können die Schüler entweder versuchen, anhand der Gegenstände die Geschichte zu erraten, oder aber sie sammeln nach der Lektüre selbst passende Gegenstände, um den Text „greifbar“ zu machen – und erleben so einen ganz neuen Zugang zum Buch.

 

Für viele Kinder sind auch Autorenlesungen in der Schule ein Erlebnis. Hier sitzen sie dem Erfinder der Geschichte live gegenüber und dürfen ihm Fragen stellen.

 

An manchen Schulen gibt es sogenannte „Book Buddys“. Das „Bücherkumpel“-System ist aus Kanada abgeguckt. Grundschüler aus der dritten oder vierten Klasse lesen in regelmäßigen Abständen Kindergartenkindern vor. Das fördert Spaß und Motivation auf beiden Seiten: die „Großen“ dürfen zeigen, was sie schon können, und bestimmen selbst, was sie vorlesen. Die Kleinen fühlen sich ernst genommen und wollen den Vorlesern nacheifern.

 

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels führt seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken und Schulen den traditionsreichen Vorlesewettbewerb durch. Auf Klassen-, Schul, Kreis-, Landes- und Bundesebene dürfen die jeweils besten Vorleser Passagen aus selbst gewählten Büchern präsentieren. Die Auseinandersetzung mit Texten, gegenseitiges Zuhören und Einblicke in die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur sollen damit gefördert werden. Ein Nachteil könnte allerdings sein, dass in dieser Wettbewerbssituation nur die ohnehin schon versierten (Vor-)Leser eine Chance haben.

 

Bibliotheken

 

Viele Bibliotheken bieten, oftmals in Kooperation mit Schulen, eine Fülle von Leseförderprogrammen und Informationen für Eltern an. Das können Elterntreffs sein, in denen über bestimmte Themen im Zusammenhang mit Büchern referiert wird, Vater-Sohn-Veranstaltungen, in denen Jungen zum Lesen animiert werden, spezielle Lesungen, die alle Sinne des Kindes ansprechen, Ratespiele zu Büchern oder „Lesenächte“. Auch die „Lesekiste“ gehört bei vielen zum Repertoire. Erkundige dich in deiner Stadtteilbibliothek nach dem entsprechenden Angebot.

 

In Teil 6 unseres Themenspecials zur Leseförderung geht es um Internetportale, E-Books und Apps.

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